Krankenhäuser fordern konkrete Entlastung und verlässliche Rahmenbedingungen
Hannover, 16.03.2026
Die diesjährige Mitgliederversammlung der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft (NKG) stand ganz im Zeichen der Krankenhausreform. Unter dem Leitmotiv „Gemeinsam für zukunftsfähige Krankenhausstrukturen. Vertrauen stärken. Regionale Verantwortung leben. Versorgung sichern.“ diskutierten die Krankenhäuser mit Abgeordneten des Niedersächsischen Landtags sowie mit Niedersachsens Gesundheitsminister Dr. Andreas Philippi.
Wirtschaftliche Herausforderungen, wachsende Qualitätsanforderungen und die Notwendigkeit, Versorgungssicherheit auch in ländlichen Räumen zu garantieren, treffen auf eine ungebremst wachsende Bürokratie. Die NKG fordert daher, schnell verlässliche und praxistaugliche Lösungen für die Krankenhäuser zu finden, um diese Herausforderungen zu bewältigen.
„Anspruch und Realität müssen zueinander passen“, betont NKG-Vorsitzender Rainer Rempe. „Wir unterstützen die Ziele der Reform, doch entscheidend bleibt eine regional differenzierte Umsetzung. Niedersachsen braucht eine starke Landesplanung, die die spezifischen Bedingungen eines Flächenlandes berücksichtigt und Versorgungssicherheit sowie Kooperationen gezielt stärkt.“
Für die Jahre 2026 und 2027 fordert die NKG klare Zeitpläne, transparente Entscheidungsprozesse und eine auskömmliche Übergangsfinanzierung. „Krankenhäuser müssen heute Entscheidungen treffen, obwohl zentrale Rahmenbedingungen noch unklar sind. Besonders wirtschaftlich belastete Häuser benötigen hier gezielte Unterstützung“, erklärt Verbandsdirektor Helge Engelke. „Steigende Kosten und strukturelle Unterfinanzierung belasten viele Standorte weiterhin erheblich. Die geplante Vorhaltevergütung erkennt zwar die Bedeutung von Vorhaltung an, löst aber in der aktuellen Ausgestaltung zentrale Finanzierungsprobleme nicht.“ Die NKG fordert daher eine Anpassung der Systematik, damit die Reform langfristig tragfähig wird.
„Die mit der aktuellen Ergänzung im Krankenhausreformanpassungsgesetz geschaffene Unsicherheit bei der Finanzierung der Pflegepersonalkosten ist dabei maximal kontraproduktiv und gefährlich“, betont Engelke.
Bürokratieabbau als zentrale Reformvoraussetzung
Für die NKG steht fest: Ohne einen tiefgreifenden Bürokratieabbau wird die Reform ihr Ziel nicht erreichen. Krankenhausmitarbeitende verbringen täglich unzählige Stunden mit redundanten Dokumentations- und Prüfverfahren – Zeit, die für die Versorgung fehlt. Die NKG fordert daher mit Nachdruck
- eine konsequente Reduzierung unnötiger Berichtspflichten,
- die Abschaffung redundanter Prüf- und Kontrollstrukturen,
- eine digitale Dokumentation, die entlastet, statt Mehrarbeit zu erzeugen,
- eine verpflichtende Bürokratiefolgenabschätzung für jede neue gesetzliche Regelung.
„Bürokratieabbau ist keine Nebenaufgabe, sondern Grundvoraussetzung, um Fachkräfte zu binden, Versorgungsqualität zu sichern und die Reform überhaupt umsetzbar zu machen. Jede Stunde, die nicht mit der Dokumentation, sondern am Patienten verbracht wird, erhöht die Versorgungsqualität und Mitarbeiterzufriedenheit“, betont Rainer Rempe in seiner Ansprache.
Strukturentscheidungen in der Krankenhausplanung haben unmittelbare Auswirkungen auf Personalplanung, Ausbildung und Nachwuchsgewinnung. Die NKG fordert daher eine Reformpolitik, die arbeitsmarktpolitische Aspekte konsequent mitdenkt und die Beschäftigten in den Mittelpunkt rückt.
Gleichzeitig bleiben kontinuierliche Investitionen in Infrastruktur, Medizintechnik und Digitalisierung unverzichtbar. Bauliche Modernisierungen und der Ausbau sektorenübergreifender Versorgungsmodelle sind notwendig, um Spezialisierung und Qualität langfristig zu sichern. Niedersachsen hat in den vergangenen Jahren bereits wichtige Vorhaben angestoßen – dennoch bleibt der Investitionsbedarf erheblich.
Strukturentscheidungen mit Augenmaß treffen
Die Krankenhäuser in Niedersachsen sind zentrale Einrichtungen der regionalen Daseinsvorsorge – medizinisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich. Strukturentscheidungen müssen daher mit Augenmaß getroffen werden: Spezialisierung und Zentralisierung dürfen nicht in Widerspruch zur Sicherstellung einer verlässlichen und flächendeckenden Grundversorgung geraten. Kooperationen zwischen Krankenhäusern bieten große Chancen, müssen aber strategisch geplant und dauerhaft unterstützt werden.
Die NKG appelliert daher an Bund und Land, die Reform regional gerecht, finanziell tragfähig und administrativ entlastend zu gestalten. Vertrauen kann nur entstehen, wenn Vorgaben realistisch umsetzbar sind und den Alltag der Beschäftigten tatsächlich verbessern.
