Gemeinsam für ein faires Miteinander im Gesundheitswesen

Das Niedersächsische Gesundheitsministerium hat gemeinsam mit der Ärztekammer Niedersachsen, der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen, dem Marburger Bund Niedersachen und der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft (NKG) die landesweite Kampagne „Wer hilft, verdient Respekt“ gestartet. Die Kampagne soll auf die wiederholte und zunehmende Gewalt gegen Beschäftigte im Gesundheitswesen aufmerksam machen und für einen fairen Umgang mit medizinischem Personal und Patientinnen und Patienten sensibilisieren.

Gewalt und respektloses Verhalten gegenüber Beschäftigten im Gesundheitswesen stellen eine zunehmende Herausforderung dar. Dies hat nicht nur Auswirkungen auf die Beschäftigten und die Einrichtungen, sondern letztlich auch auf die Versorgungssicherheit. Im Fokus der Kampagne steht die Verteilung von Plakaten und Informationspostkarten an niedersächsische Arztpraxen und Krankenhäuser, Social-Media-Kits sowie eine niedersachsenweite Plakatierung im öffentlichen Raum und Kinowerbung.

Zunehmende Gewalt gegenüber den Mitarbeitenden in den Krankenhäusern stellt  ein schwerwiegendes Problem dar. Das belegt eine im Januar 2026 veröffentlichte Umfrage der NKG. Demnach ist in Niedersachsen ein Anstieg der Gewalt gegen Klinikpersonal zu verzeichnen. 72 Prozent der von der NKG befragten Krankenhäuser berichten von einem „deutlichen“ (26 Prozent) oder „mäßigen“ (46 Prozent) Anstieg der verbalen oder körperlichen Übergriffe gegen ihre Beschäftigten in den vergangenen fünf Jahren. Bezeichnend ist, dass kein einziges Krankenhaus in diesem Zeitraum einen Rückgang gewalttätiger Übergriffe verzeichnete.

Die Kliniken reagieren auf die zunehmende Gewalt mit einer Vielzahl an Präventionsmaßnahmen wie beispielsweise Deeskalationstrainings für Mitarbeitende. Von der Politik fordern die Krankenhäuser unterstützende Maßnahmen, die von der Finanzierung von Trainings- und Schulungsangeboten über Sicherheits- und Überwachungstechnik bis hin zu härteren rechtlichen Konsequenzen für Gewalttäter reichen.

 


„Gewalt gehört nicht ins Krankenhaus. Und sie darf nicht zum Berufsrisiko für diejenigen werden, die täglich für andere da sind. Beschimpfungen, Bedrohungen und körperliche Übergriffe sind keine hinzunehmenden Begleiterscheinungen des Klinikalltags. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben Respekt verdient und Anspruch darauf, in einem sicheren Umfeld arbeiten zu können. Die Krankenhäuser tun bereits viel, um ihre Beschäftigten zu schützen. Aber sie können diese Aufgabe nicht allein bewältigen. Es braucht gesellschaftlich und politisch ein klares Signal: Wer hilft, verdient Respekt. Gewalt verdient eine klare Grenze und Konsequenzen.“

Helge Engelke, Verbandsdirektor der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft



„Niemand von uns hat bei der Berufswahl daran gedacht, als helfende Person Gewalt erleben zu müssen.“


Birgit Fehrmann
, 58 Jahre alt, blickt auf 40 Jahre Erfahrung als Pflegefachkraft im Krankenhaus zurück. Seit 1986 ist sie im St. Bernward Krankenhaus in Hildesheim überwiegend in der Notaufnahme tätig. Ergänzend absolviert sie derzeit eine Ausbildung als Multiplikatorin im Bereich Deeskalation. Im Interview berichtet sie über ihre Motivation für die Teilnahme an der Kampagne „Wer hilft, verdient Respekt“.


Frau Fehrmann, Sie haben sich bereit erklärt, ein Gesicht der Kampagne „Wer hilft, verdient Respekt“ gegen Gewalt in Gesundheitsberufen zu werden. Was hat Sie dazu bewogen, mitzumachen?

Ich möchte helfen, auf dieses Problem aufmerksam zu machen und ich möchte, dass medizinisches Personal in Ausübung der beruflichen Tätigkeit sicher sein kann vor Übergriffen jeglicher Art.

Gewalt und Übergriffe gegenüber Beschäftigten im Gesundheitswesen sind ein zunehmendes Problem. Was erleben Sie in Ihrem beruflichen Alltag?

Zu Beginn meiner beruflichen Tätigkeit vor über 40 Jahren waren Berufe im medizinischen Bereich hoch angesehen. Das hat sich geändert. Heute erleben wir in meinem Arbeitsbereich täglich Anfeindungen, Bedrohungen und auch körperliche Gewalt.

Sie arbeiten seit vielen Jahren in der Pflege. Was bedeutet für Sie persönlich Respekt im Krankenhaus?

Ich versuche mich stets in meine Patienten und deren Zugehörige hineinzuversetzen, verstehe ihre Sorgen, Ängste und Unsicherheiten, erwarte aber auch Wertschätzung für mein Tun und Verständnis für mein Handeln. Nicht alle Wünsche können sofort erfüllt werden und manche eben auch gar nicht.

Warum ist es aus Ihrer Sicht wichtig, dass über dieses Thema gesprochen wird und die Kampagne ein deutliches Zeichen setzt?

Respektlosigkeit und Eskalationen im beruflichen Alltag führen zu Stress, machen krank und führen unter Umständen dazu, dass Menschen diesen Beruf aufgeben und wieder ausscheiden. Niemand von uns hat bei der Berufswahl daran gedacht, als helfende Person Gewalt erleben zu müssen.

Was wünschen Sie sich im Umgang mit den Beschäftigten in Krankenhäusern von Patientinnen und Patienten, Angehörigen, aber auch von der Gesellschaft insgesamt?

Ich würde mich freuen, wenn wir, egal wo, respektvoller miteinander umgehen können. Das gibt Vertrauen ins Leben, Sicherheit und erhöht die Fähigkeit, mit Problemen und Komplikationen besser umgehen zu können. Das ist ein Gewinn für alle!

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